Tag des Energiearbeiter 1977

Als Vorwort für alle, die nicht den Kulei - Kultureller Leistungsvergleich kennen, und. alle anderen damaligen Wortschöpfungen der Planwirtschaft genaugenommen hieß er Ökonomisch Kultureller Leistungsvergleich Es war im  April im Jahre 1977 und ich arbeitete im Energiekombitat Mitter in Potsdam. Zum Tag des Energiearbeiter fand die Auswertung der erreichten Ziele im sozialistischen Wettbewerb statt Es wurden die Brigaden der Sozialistischen Arbeit gekürt und die wurden dann zum Tag des Energiearbeiter geehrt. Davor wurden von den Bereichen in dem Kulei einzelne Kulturgruppen zusammengestellt, die dann Kultur machen sollten. Und im unserem Bereich sah das so aus:

 Frau Direktor: Peter, du kannst doch etwas singen. Ich habe mir das so gedacht Du suchst dir vier –fünf Leute aus die mitmachen wollen. Kriegst  ein paar Nachmittage frei zum üben. Hier ein Lied vom roten Oktober, ein Gedicht von Becher, ach ich weiß nicht was ich damals so einübte. Wir waren sieben Bereiche im sogenanntem Wettstreit und wurden nach der Bewertung durch Partei und Gewerkschaft vierter.

Frau Direktor: Peter das hast Du aber fein gemacht, ich würde dich bitten, zum Tag des Energiearbeiter zu unserem Bereichsfest es zu wiederholen, damit alle was davon haben und vielleicht noch etwas Spritziges dazu.

Gesagt getan ich machte mich ans Werk und suchte zu dem Thema „Ein offnes Wort über den Kulei etwas zu schreiben .Diesen Titel gab ich meinen spritzigen Beitrag. Ohne Abstimmung mit der Direktorin trug ich dann als letzten Beitrag zu dem Kulturauftritt das spritzige vor.

Der Beifall der Kollegen war groß, nur mein Abteilungsleiter machte schon ein saures Gesicht und meinte, das hat aber Frau Direktor nicht gefallen. Und sie ließ es mich auch in den nächsten Jahren spüren.

 

Ein offnes Wort über den Kulei

 Wollen wir wirklich Kulturarbeit treiben

oder mit jenen Beispielen zeigen,

dass im Bereiche was existiert

und sich der Direx nicht wieder blamiert?

Ist es der einzige Sinn geblieben,

dass die Kultur bei uns GROSS geschrieben?

Immer schon liegt das Problem uns im Magen,

über Kulturarbeit lässt sich nur klagen.

Erst kurz vor dem Kulei sich etwas tut,

was sonst nur das ganze Jahr lang ruht.

Ein Stimmchen ertönt dann ganz klein:

Lasst euren Direx jetzt nicht allein,

wollen in Kürze ganz im schnellen

irgendwas auf die Beine stellen.

Doch ist es nicht besser wenn man beizeiten

beginnt diesen Kulei vorzubereiten?

Liebe Kollegen ihr habt es vernommen,

dass wir den vierten Platz noch bekommen.

Die Leistung in Ehren, das ist sehr schön,

doch wenn wir das einmal anders besehen,

dann taten andre noch weniger machen.

Das ist doch kein Grund darüber zu lachen

Ein Motto ist gut, doch wir hatten‘s gesehn,

es sollte beim Kulei auch lustig zu gehen

ist‘s für den Direx wirklich so schwer,

hat er denn gar kein Vertrauen mehr?

Wenn schon dann wollen wir‘s mit entscheiden

Lassen uns nicht die Meinung beschneiden.

Letztlich sind wir doch schon groß genug,

erfahren und dann auch bestimmt so klug,

dass wir Probleme so aufbereiten

und jene Grenzen nicht überschreiten.

Muss denn ein Leiter sofort erblassen,

wenn wir mal heiße Eisen anfassen?

Ich kann es wirklich gar nicht versteh‘n,

dass wir nach folgendem Motto geh’n.

Nur nicht auf fallen, keine Kritik,

schön in der Mitte, nicht vor, nicht zurück.

Doch warum sind wir nicht ehrlich und offen,

wo nichts getan wird da gibt’s nicht zu hoffen.

Doch sollte sich irgendwo mal etwas tun,

ist es besser man lässt nichts auf sich beruhn,

sondern hilft jenem zarten Keime zum Leben,

dann könnt es wirklich Kulturarbeit geben

Findet mein Wort nun ein offenes Ohr,

kommt solche Hektik nicht noch einmal vor.

Und dann Kollegen ihr braucht nicht zu lachen,

dann werden wir den ersten Platz machen.

Anderseits eingeengt nur auf Geheiß,

bringt uns niemals den vordersten Preis.

Außerdem ist uns das sooo gar nicht zünftig,

darum die Frage wie machen wir‘s  künftig.